Eine Fußballnacht in Seoul

Letzte Woche Donnerstag (26.6.) hatte ich am Nachmittag einen Termin in Seoul und dachte, dass es wirklich eine Verschwendung wäre, die weite Reise zu machen ohne ein Fußballspiel mit anderen Fans zu sehen. Da in Chuncheon nicht wirklich was los ist und Deutschland genau in dieser Nacht ein Spiel hatte, entschloss ich mich die Nacht zu bleiben und mit dem ersten Zug am Morgen wieder zurückzufahren. Das war zumindest der ursprüngliche Plan.

Nachdem ich mit einem Freund zu Abend gegessen hatte, traf ich mich mit Katy, der anderen Korea-Korrespondentin von K-Colors, die ich tatsächlich vorher noch nie persönlich getroffen hatte. Da Katy bereits ein Spiel im „Deutschen Haus“ gesehen und darüber berichtet hatte, wollten wir es an diesem Abend in der PLATOON Kunsthalle in Gangnam versuchen. Das deutsche Bier war, so wie wir es erwartet hatten, ziemlich teuer, aber mussten wir keinen Eintritt zahlen. Es waren allerdings nicht so viele Leute dort, wie ich dachte, was die Suche nach den Sitzplätzen einfacher gestaltete und der Blick auf die riesige Leinwand blieb ungestört. Das Spiel wurde über einen koreanischen Kanal gezeigt, deshalb sprachen die Kommentatoren Koreanisch und viele der anwesenden Ausländer verstanden wahrscheinlich nicht viel. Aber zumindest verlief die Übertragung nicht zeitversetzt, sodass niemand uns im Voraus informieren konnte, dass bereits ein Tor erzielt wurde. Ich schaue nicht gerade oft Fußball, daher kann ich es nicht richtig beurteilen, aber das Spiel kam mir eher langweilig und ereignislos vor, mit Ausnahme des Moments als ein Spieler des US Teams in den Schiedsrichter rannte und einem anderen, als genau derselbe Spieler mit dem Spieler seiner eigenen Mannschaft zusammenstieß. Aber auf diese Weise hatten Katy und ich Zeit, um uns miteinander und unseren anderen Freunden in Ruhe zu unterhalten.

Das Spiel endete 3 Uhr morgens und die meisten Leute gingen nach Hause, da es Freitag war und viele noch am gleichen Tag zur Arbeit mussten und daher etwas Schlaf brauchten. Aber ich hatte nichts anderes zu tun, als auf den ersten Zug zu warten, der erst 5.30 Uhr losfuhr. Ein koreanischer Freund von mir hatte mir gesagt, dass er das Koreaspiel am Gwanghwamun am selben Morgen um 5 Uhr sehen würde und ich beschloss spontan die Schule Schule sein zu lassen und mir das Spiel mit ihm gemeinsam anzusehen. Warum? Weil ich mir ziemlich sicher war, dass dies meine letzte Chance sein würde, diese Art von Public viewing in Korea zu erleben, da das Koreanische Team bisher nicht sonderlich gut abgeschnitten hatte und das Spiel gegen Belgien von daher höchstwahrscheinlich ihr letztes war. Und ich behielt Recht. Katy änderte ihre Meinung auch schnell und entschied sich, mich zu begleiten, sodass wir von Gangnam gemeinsam ein Taxi nach Gwanghwamun nahmen. Dort trafen wir uns dann mit meinem Freund und ließen uns mitten auf dem Platz zwischen Tausenden von anderen Fußballfans nieder. Wir waren zu weit von der Bühne entfernt, um uns das Spiel auf deren Leinwand anzusehen, aber um den ganzen Platz herum waren große Bildschirme verteilt, auf denen normalerweise Werbung gezeigt wurde, die alle an diesem Morgen das Spiel übertrugen. Gegen 4 Uhr morgens, eine Stunden bevor das Spiel begann, machten Katy und ich uns auf die Suche nach einer Toilette, die in einem etwas weiter entfernten Cafe fanden, kauften Dosenbier und Hühnchen, und statteten und mit Fanartikel aus.

Es war wirklich ein Riesenspaß und eine toll Erfahrung, das Spiel mit so vielen anderen fußballbegeisterten Menschen zu sehen, auch wenn die Stimmung immer weiter sank, je weiter das Spielzeit voranschritt. Belgien war ganz offensichtlich die stärkere Mannschaft und als sie ein Tor schossen, verließen viele Koreaner bereits den Platz ohne sich das Spiel bis zum Ende anzusehen. Katy und ich aber harrten aus bis zum Schluss und feuerten das Land an, das wir beide so lieben, was am Ende leider aber auch nichts brachte. Als das Spiel vorbei war und die Menschenmassen zu den Eingängen der Bahnstationen strömten, entschieden wir uns noch ein paar Bagels zum Frühstück zu besorgen, bevor ich wieder zurück nach Chuncheon und Katy, nach einer kurzen Dusche, sich auf den Weg zur Arbeit machte. Ich war so müde, dass ich fast im Stehen einschlief, als ich auf den Zug wartete, aber das war es wert gewesen. Ich werde niemals vergessen, wie viel Spaß ich während dieser ungewöhnlichen Fußballnacht hatte.