Als Austauschstudent in Korea

Leben und Studieren in Korea

Nach einem Jahr des Planens, einigen Hundert Euro leichter und einem 25 Stunden Flug war ich endlich in dem Land, von dem ich jahrelang geträumt habe: Südkorea! Ein paar Monate würde ich hier als Austauschstudent leben, die Kultur näher kennenlernen und die Sprache besser lernen. Nun ist das Austauschsemester fast zu Ende und rückblickend waren einige wertvolle Erfahrungen dabei.

STUDIEREN AN EINER KOREANISCHEN UNI

Der Studienplan für Austauschstudenten ist von Uni zu Uni verschieden. Manche müssen nur einen Sprachkurs absolvieren, manche müssen richtige Creditpoints sammeln. An meiner Uni mussten wir mindestens 12 Credits erreichen, da wir aber hunderte von englisch-sprachigen Kursen angeboten bekamen, war das kein Problem.

Der Unterricht selber ist wie ein Seminar an deutschen Unis: Man bekommt das Thema und die Hintergrundinformationen vom Professor und am Schluß der Sitzung wird diskutiert. Am Ende des Semesters wird dann entweder eine Hausarbeit oder eine Klausur geschrieben. Etwas, das anders ist, sind die Midterms, die Klausuren, die es in der Mitte des Semesters gibt. Auch dass es kein Muss ist, in der Woche vor den Final Exams in die Uni zu kommen, fände sicher der ein oder andere deutsche Student gut.

Ansonsten erlebt man im Unterricht selber keine wirklich großen Überraschungen.

LEBEN AN EINER KOREANISCHEN UNI

Die Universitäten haben auf dem Campus auch meistens ihr eigenes kleines „Uni- Dorf“, eine Ansammlung verschiedenster Wohnheime, in dessen Mitte sich meistens ein Convinent Store befindet. Manche Unis garantieren ihren Austauschstudenten einen Platz in einem der Wohnheime, so muss man sich keine Sorgen um einen Wohnplatz machen.

Im Wohnheim zu wohnen heißt jedoch immer zu zweit wohnen. Einen kleinen Raum (unser Raum ist vielleicht gerade mal 9 m² groß) mit einem wildfremden Menschen zu teilen, der im schlimmsten Fall noch nicht mal richtig Englisch kann, stellt für den ein oder anderen sicher eine große Herausforderung dar. Wenn man sich auch noch Toilette und Dusche mit ca. 40 anderen Menschen teilen muss, stellt man schnell fest, dass man nicht wirklich pingelig sein darf, „Ist ja nur für ein paar Monate!“ kann häufiger zum Tagesmantra werden.

Das, was ausländischen Studenten aber am meisten sauer aufstößt, ist die „Curfew“, die Sperrstunde. Um 23 Uhr müssen alle Studenten auf ihren Zimmern sein, dann wird kontrolliert. Das Wohnheim wird zugesperrt und auch das Tor zum „Uni-Dorf“ wird geschlossen. Länger fort bleiben können nur diejenigen, die sich vorher bei der Heimleitung abmelden, wer sich 4 Mal nicht abgemeldet hat, muss das Wohnheim verlassen. Um 5 Uhr morgens öffnen die Pforten wieder, dann kann man sich auch von der langen Partynacht erholen.

LEBEN IN KOREA

Koreanisch zu können ist kein Muss, viele Ausländer kommen her und wissen überhaupt nichts von Korea. Es ist aber immer ein Plus, wenigstens ein bisschen die Landesssprache zu können, vorallem weil die Koreaner ausserhalb von Seoul nur gebrochen Englisch sprechen. Wenn man allerdings nach Korea kommt um sein Koreanisch an den Mann bzw. die Frau zu bringen, wird man es gerade in Seoul häufiger erleben, dass die Leute auf das eigene Koreanisch hartnäckig mit Englisch antworten, egal wie sehr man es versucht.

Wer sich schon immer mal wie ein Star fühlen wollte, der hat in Korea hierzu die Gelegenheit. Man wird sehr häufig angesprochen und angestarrt, jedoch niemals belästigend, Koreaner sind einfach nur sehr neugierig was Ausländer betrifft, da diese hier einfach noch zu sehr auffallen (man bemerkt sehr schnell, dass man selber Ausländer in der großen Asiatischen Masse schnell ausfindig machen kann). Das Essen ist etwas süßer, die Auswahl an Pflegeprodukten unüberschaubar groß, dafür kann man aber ohne Probleme ins Kino, die Original Hollywood-Filme sind alle auf englisch mit koreanischen Untertiteln.

Bei größeren Behördengängen (Post, Bank, Krankenhaus, etc.) ist es aber immer besser, einen Einheimischen mit dabei zu haben. Da die meisten Unis aber ihren Austauschstudenten sogenannte „Buddys“ (Koreaner, die den Ausländern helfen sollen sich zurecht zu finden) zur Verfügung stellen, findet man so schnell den richtigen Ansprechpartner.

Natürlich ist nicht jede Uni und jede Stadt gleich, der Bericht ist nur eine Zusammenfassung, was ich von anderen Austauschstudenten gehört bzw. gelesen und selbst erlebt habe. Alles in Allem ist es definitiv eine Erfahrung wert, einmal in Korea für ein paar Monate zu leben, wenn man die Chance hat. Nicht nur weil koreanische Freunde die herzlichsten Freunde sein können die man hat, sondern auch, weil man durch das besondere Umfeld viel von anderen Kulturen lernt, aber auch seine eigene Grenzen jeden Tag neu überwinden muss. Vorallem in einem so chaotischen, aber herzlichen Land wie Korea.

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Ergänzender Vlog: An einer koreanischen Uni