Interview mit Sam Okyere

Abnormale Konferenz ist ein neues TV Format im koreanischen Fernsehen. Ähnlich wie bei dem bekannten MiSuDa, trifft sich hier eine Gruppe Ausländer um mit den koreanischen Moderatoren über große Bandbreite an Themen zu diskutieren. Während in MiSuDa nur ausländische Frauen teilgenommen haben, sind es hier nur Männer und die Show soll einer Konferenz der Vereinten Nationen ähneln. Jede Folge werden zwei koreanische Promis eingeladen um ein Thema zu präsentieren, welches von den Teilnehmern Diskutiert werden soll. Bisher waren unter anderem dabei “Bis zu welchem Alter sollte man zuhause wohnen”, “Seine Träume verfolgen oder aufgeben wenn es keinen Sinn mehr hat”, “Sexualkunde” oder einfach über Männer generell. Es wird hierbei kein Blatt vor den Mund genommen und genau das macht die Sendung so erfrischend: Gemeinsam mit den Moderatoren und Gästen werden auch ernste oder riskante Themen offen und ehrlich besprochen. Einige der ausländischen Mitglieder sind schon bekannt in der koreanischen Fernsehlandschaft bekannt und werden für ihre Koreanischkenntnisse bewundert. Einer ist Sam Okyere aus Ghana und wir hatten die Chance ihm einige Fragen über sein Leben in Korea und Abnormaler Konferenz zu stellen.

K: Du bist ziemlich bekannt in Korea aber unsere Leser kennen dich vielleicht nicht. Könntest du dich kurz vorstellen?

Sam: Mein Name ist Sam Okyere und ich komme aus Ghana. Ich bin seit ca. 5 Jahren in Korea und hoffentlich noch länger. Ursprünglich kam ich als Student hier her und bin im Fernsehen gelandet. Derzeit arbeite ich als Entertainer.

K: Wie lange hast du gebraucht um Koreanisch so flüssig zu sprechen und hast du Ratschläge für diejenigen, die die Sprache ebenfalls lernen wollen?

Sam: Mein Koreanisch ist erst nach drei Jahren in Korea wirklich gut geworden. Verglichen mit meinen Freunden, die mit mir nach Korea gekommen sind, war ich der letzte der wirklich Sprechen lernte. Aber als ich mit der Universität begann und in das koreanische Wohnheim gezogen bin, änderte sich vieles für mich (anm.d.Red.: an koreanischen Unis gibt es oft getrennte Wohnheime für internationale und koreanische Studenten.). Mein Koreanisch verbesserte sich in sehr kurzer Zeit von Anfänger zu Fortgeschrittener. Ich sehe mich aber selbst noch als Lernender, da es noch viele Dimensionen der koreanischen Sprache gibt, die ich kennenlernen möchte. Mein Ratschlag an alle Lernenden ist, sich nicht nur mit der Sprache sondern auch mit der Kultur auseinander zu setzen. Das wird ihre Sprachkenntnisse auf ein ganz anderes Level bringen. Es gibt nämlich einen großen Unterschied zwischen Ausländern, die nur Koreanisch sprechen und solchen, die die Kultur der koreanischen Sprache ebenfalls verstehen. Und viel üben, Übung macht den Meister. So einfach ist das.

K: Verglichen mit anderen Ländern wie den USA oder in Europa stechen Ausländer in Korea noch sehr hervor und werden anders behandelt. Du bist schon viele Jahre in Korea und in neuester Zeit sind viel mehr Ausländer ins Land gekommen, um die Sprache zu lernen. Hast du einen Wandel in der Art bemerkt, wie die Koreaner mit diesen umgehen? Und glaubst du es wird bald normal sein Koreanisch sprechende Ausländer im Alltag zu treffen?

Sam: Korea hat sich in den letzten Jahren drastisch geändert. Vor fünf Jahren gab es noch nicht so viele Ausländer die Koreanisch sprechen. Aber die Zahl ist in kürzester Zeit enorm gestiegen. Koreaner sind nun offener Ausländern gegenüber und sind sich dessen bewusst, dass einige auch die Sprache beherrschen. Mit den Jahren wird es wahrscheinlich wirklich immer mehr zum Alltag werden.

K: Leute, die in Korea waren oder sind, bekommen oft zu hören welchen Promis sie ähnlich sehen. Stört es dich immer mit Will Smith verglichen zu werden oder nimmt man das als Kompliment hin?

Sam: Um ehrlich zu sein, habe ich zuhause (Ghana) nie gehört, dass ich Will Smith ähnlich sehe. Aber nachdem ich nach Korea gekommen bin, ist es das was ich am meisten höre. Zuerst war es ziemlich interessant, doch es ist das geworden, was ich als erstes von jedem Koreaner höre, den ich kennen lerne. Ich nehme es als Kompliment an, da Will Smith mein Lieblingsschauspieler ist. Es fühlt sich gut an, ab und zu, besonders mit jemandem verglichen zu werden, zu dem man aufsieht.

K: Wirst du auf der Straße erkannt oder bist du nur einer der ganzen Ausländer in Korea?

Sam: Manchmal werde ich erkannt und manchmal nicht. Es ist nicht ganz klar, ob ich nur einer der vielen Ausländer bin. Für die meisten anderen bin ich genau das, doch Koreaner erkennen mich gelegentlich und wenn das passiert, fühlt es sich ziemlich gut an.

K: Du bist bereits in anderen Shows aufgetreten, doch wie ist die Idee zu Abnormal Summit entstanden und wie bist du dazu gekommen? Haben du und die anderen Castmitglieder Einfluss auf die Entstehung und Formung der Sendung?

Sam: Ich bin über meine Agentur zu Abnormal Summit gekommen und bin zu einem Interview gegangen, das wohl rrfolgreich war und mich zu einem Mitglied der Sendung machte. Jeder, der Mitglieder steuert etwas Außergewöhnliches dazu bei. Zuerst hatten wir keinen Einfluss, aber nachdem wir nun zusammenarbeiten, sind wir zu Mitgliedern im Entwicklungs- und Entscheidungsprozess der Sendung geworden.

K: Welche Sprache sprecht ihr untereinander außerhalb der Sendung, da viele wohl auch sehr gut Englisch können? Oder ist Koreanisch zur gemeinsamen Sprache geworden? Kanntest du manche schon vor Abnormal Summit und unternehmt ihr oft etwas gemeinsam?

Sam: Außerhalb sprechen wir sowohl Englisch als auch Koreanisch. Beide Sprachen sind ziemlich natürlich für uns geworden doch für die, die Englisch nicht fließend sprechen ist Koreanisch am besten. Ich kannte Enes aus der Türkei schon vorher und habe mit Julian aus Belgien einmal zusammen gearbeitet. Wir kommen sowohl in der Sendung aber auch im Alltag super aus und unternehmen so oft wie möglich was zusammen. Täglich sprechen wir miteinander und halten uns gegenseitig auf dem laufenden. Wir tauschen unsere Gedanken aus, wie wir die Sendung Woche für Woche besser machen können.

K: Kannst du uns mehr über die Show erzählen? Was für Themen würdest du gerne in Zukunft diskutieren und welche Gäste würdest du begrüßen?

Sam: Die Show ist einzigartig in Korea und wir hoffen, dass es so bleibt. Wir fokussieren uns auf Themen, die die koreanische Gesellschaft als Ganzes, von der jüngeren zur älteren Generation betrifft. Wir sprechen auch heikle Themen an und diskutieren darüber von unserem ausländischen Blickpunkt aus. Auch Probleme zu Gender, kulturellen Unterschieden und Ethnizität werden abgedeckt. Ich würde gerne über Probleme sprechen, die die Zukunft der jüngeren Generation betreffen und die Bevölkerungszahl. Außerdem darüber wie wichtig Sprache ist und wie es ein Land formt. Als Gast wünsche ich mir eine Frauenrechtsaktivistin.

K: In der Show sagt ihr manchmal etwas im Spaß, dass ihr mit Abnormal Summit die Welt verändert werdet. Aber glaubst du wirklich, dass ihr einen Einfluss auf die koreanische Gesellschaft haben könnt?

Sam: Ich glaube, wir veränder die Welt mit dieser Show. Wir haben die Saat für Wandel gesät und die Auswirkungen sind bereits sichtbar. Mehr Koreaner engagieren sich und gehen Probleme von einem weiteren, internationalen Blickwinkel an. Die Idee von verschiedenen Leuten, mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen wird in Korea immer offener begrüßt und Dinge ändern sich langsam. Als Repräsentanten unserer Länder zeigen wir dem Rest der Welt, dass trotz Sprachbarrieren und kulturellen Unterschieden wir eins sind und friedlich zusammenleben können, indem wir die Kultur und Ideale der anderen respektieren.

K: Wie war das Feedback auf die Sendung bisher von deinen koreanischen Freunden? Und was sagt deine Familie und Freunde in Ghana dazu, dass du im koreanischen Fernsehen auftauchst?

Sam: Das Feedback ist großartig, das hat keiner von uns erwartet. Die Einschaltquoten steigen mit jeder Folge und das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Einige meiner Freunde im Ausland schauen die Show ebenfalls und sind ebenfalls begeistert.

K: Was vermisst du am meisten von Zuhause und würdest Koreanern gerne empfehlen?

Sam: Ich vermisse es jedes Wochenende mit meiner Familie an den Strand zu gehen und finde, Koreaner sollten das auch viel mehr machen. Es macht Spaß und man kann so das Wochenende wunderbar genießen.

Vielen Dank an Sam Okyere der das Interview per E-Mail mit uns führte.