Street Photography
Catching Life and Essence
“Dayv Mattt kam am 28. April 1977 in Toronto auf die Welt. Er flucht gern und ist süchtig nach einfachen weißen Hemden und „Street photography“ Bildern schießen. Davy ist sehr attraktiv und lebt momentan in Seoul mit seiner ebenso hinreißenden Frau. Da gibt es nichts überwältigendes, dass Davy über seine Fotografie sagen möchte.“
Dies ist die Beschreibung, die man auf seiner Website finden wird, wenn man mehr über den Fotografen erfahren will. Obwohl er selbst nichts über seine Fotografie zu sagen hat wird der Betrachter schnell merken, dass die Bilder für sich selbst sprechen. Zwar wird man seine Bilder womöglich nicht auf Werbeplakaten zu sehen bekommen, was aber nicht heißt, dass diese weniger beeindruckend sind. Das Gegenteil ist der Fall.
Momente werden auf Film gebannt, die das Leben und Wesen der Stadt wiedergeben. Über die ganzen Jahre wurde das Leben in den Straßen von Seoul von ihm mit seiner Kamera festgehalten und eine Serie von 2008 bis 2010 hat er in einem Buch veröffentlicht, das sich HIGH STREET LOW STREET nennt. Jeder, der schon einmal in Seoul war und sich die Bilder anschaut wird sich wieder danach zurücksehnen und alle Enthusiasten, die noch nie dort gewesen sind, werden verblüfft sein, wenn sie typische Souvenirbilder erwartet haben. Seine Bilder werden dem Betrachter eine Seite von Seoul zeigen, die man nicht in Werbespots zu sehen bekommt.
Einige werden diese Bilder mögen oder auch nicht, aber die Bilder versäumen es nicht einen Eindruck zu hinterlassen.
K: Wie würdest du Korea/ Seoul in 3 Wörtern beschreiben?
DM: Praktisch, sich ständig verändernd, modern
K: Du bist ursprünglich aus Toronto und bist seit 2002 in Korea. Was hat dich nach Korea gebracht?
DM: Ein Jahr bevor ich meinen Abschluss machte, ging einer meiner besten Freunde während der Zeit an der Uni nach Korea. Ich erhielt einen Anruf von ihm nachdem ich meinen Abschluss machte und sieben Tage später war ich in Korea. Ehrlich gesagt hatte ich nicht geplant lange zu bleiben. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Korea mögen würde. Ich hatte ja keine Ahnung?
K: Immer mehr Ausländer finden ihren Weg nach Korea. Was glaubst du ist ihre Motivation nach Korea zu kommen?
DM: Ich denke die größte Motivation für die meisten Ausländer um nach Korea zu kommen, ist ein Arbeitsplatz und der Gehaltscheck. Viele bleiben nur für ein paar Jahre. Ich bin mir hierbei auch nicht zu 100 Prozent sicher, aber ich denke Gastarbeiter haben eine Höchstzahl von Jahren, die sie hier bleiben und arbeiten können. Sie können nicht länger als für den begrenzten Zeitraum bleiben, auch wenn sie es wollten. Für Nichtgastarbeiter sind die Vorschriften besser. Aber wie ich schon sagte: die meisten gehen nach Jahren wieder zurück.
K: Wie hat sich das Leben für Ausländer in den letzten 10 Jahren geändert?
DM: Ich bin mir nicht sicher, ob sich das Leben in Korea für Ausländer so sehr geändert hat seitdem ich hier bin. Ich hab sowieso nie gedacht, dass das Leben hier schwer ist. Seoul ist unglaublich praktisch und angenehm und wenn man das Flugzeug unvoreingenommen verlässt und Korea nicht mit den Dingen wie sie daheim sind vergleicht – wird man merken, wie gelassen die Dinge hier sind.
K: Wann hast du mit dem Fotografieren angefangen? Hat dich die Fotografie schon immer interessiert?
DM: Ich habe in der Highschool mit dem Fotografieren angefangen und habe nicht aufgehört. Ich war aber nie Feuer und Flamme dafür bis ich mit „street photography“ angefangen hab. Bevor ich aber damit anfing, habe ich viele Feten, Proteste und Events fotografiert. Ich mag die alten Bilder immer noch, aber ich mag meine „street photography“ Sachen lieber.
K: Deine Bilder sind fesselnd, weil sie realistisch sind und verschönern nichts. Was sind deine Lieblingsmotive?
DM: Ich hatte im Internet schon lange und oft sehr „heiße“ Diskussionen über das Thema gehabt. Ich habe nicht wirklich ein „Motiv“. Ich mache „street photography“, weil ich die Stadt festhalten will. Wenn ich auf dem Land wohnen würde, würde ich wahrscheinlich nicht so viel fotografieren. Seoul ist eine unglaubliche Stadt zum Entdecken und festhalten. Es gibt interessante Orte zu entdecken und eins meiner „Motive“ ist, dass diese schnell verschwinden. Auf eng gewundenen Seitenstraßen wird herabgeblickt und die Nase gerümpft. Nach Rastern ausgerichtete Straßen, die farblose rechteckige Apartmentblocks umschließen, ersetzen die alten Gebiete. Es ist irgendwie traurig. Ich denke, dass das Gefühl von Gemeinschaft in diesen Apartmentkomplexen verloren geht. Ich denke, dass die Leute in zehn oder zwanzig Jahren mehr Gefallen an meinen Bildern finden werden.
K: Was denken Einheimische über deine Bilder?
DM: Um es einfach auszudrücken: Die meisten einheimischen Koreaner mögen meine Fotografie nicht. Die große Mehrheit der Koreaner, die meine Fotografien gesehen haben, denken dass die Bilder düster sind und Seoul als eine Art Ghetto voll von Armut und Dreck wiedergeben. Sie wollen, dass alles glücklich, perfekt und leuchtend ist. Nicht alle denken so, aber die Mehrheit, der ich begegnet bin schon.
K: Irgendwas über Korea, das du niemals verstehen wirst?
DM: Da ist einiges, aber ich habe nicht das Gefühl näher auf diese Dinge einzugehen. Ich finde, dass ich, wenn ich versuche die Dinge, die ich nicht verstehe zu erklären, dadurch ein bisschen intolerant rüberkomme. Ich bin ein ziemlich gelassener Typ. Deswegen sind auch die Dinge, die mich frustrieren und ich nicht verstehe, am nächsten Tag wieder vergessen. Es wird immer Dinge über meine Familie in Kanada geben, die ich nicht verstehe. Deswegen scheint mir, über die Dinge hier in Korea zu sprechen, die ich nicht verstehe eher kontraproduktiv.
© Kim Dinh; Fotos: Dayv Mattt